Aktuelles
Facebook
Volkstheater Hessen

Drowe uff dem Schorbstaa stumm
steht der Storch voll Sorje,
guckt sich nach dem Frihling um:
siehst en? kimmt err? — Morje! —

Wann er aach im März net kimmt,
kimmt er später ganz bestimmt;
un merr fihrt ja im April
aach die Narrn hie, wo merr will!

Wer nicht im Kleinen ehrlich ist,
Der ist's auch nicht im Großen;
Wer sich an einem Knopf vergißt,
Geht auch an Rock und Hosen.

Es gibt nur einerlei Moral,
Wie Einen Gott im Himmel, –
Ob einer nur den Sattel stahl,
Der andere den Schimmel.

Ein Zwielicht ist kein reines Licht, –
Und eine halbe Klarheit
Gibts, wie ein halbes Unrecht, nicht
Und eine halbe Wahrheit.

Ein Unrecht bleibt, ob klein ob groß,
Man muß es U n r e c h t taufen.
Die kleinen Diebe hängt man bloß,
Die großen läßt man laufen.

Das ist nun eine Ungebühr,
Weshalb ich mich entscheide:
Ob klein, ob groß, ich bin dafür
Man hängt sie alle beide!

M an nehme darum beide fest,
Um nirgends zu verstoßen, –
Wenn man den Kleinen laufen läßt,
S o m a u s t e  r b a l d  i m G r o ß e n. –

Frankfurter Latern, 25. Jahrgang, No. 40, 05.10.1889

Daß Ihr so oft im Hause fehlt,
Gewiß kränkt’s Eu’re Wähler,
Doch wenn Ihr doch umsonst Euch quält,
Ist’s eigentlich kein F e h l e r.

Frankfurter Latern, 15. Jahrgang, No. 26, 28.06.1879

O wie wonnig wehn die Lüfte
Und wie würzig haucht der Mai!
Und dies alles, Luft und Düfte,
Hat der Deutsche steuerfrei!

O wie golden strahlt die Sonne!
Herz und Auge wird erfreut,.
Und für diese Himmelswonne
Zahlt das Volk nicht Einen Deut!

Silbern überglänzt die Länder
Mondespracht und feenhaft,
Und die Steuer der Kalender
Ist wie lang schon abgeschafft!

Reizend singt die Philomele,
Süß zur Menschenseele spricht’s,
Weckt die Sehnsucht deiner Seele,
Und das alles kostet nichts!

Lieblich rauscht die Felsenquelle,
Rieselt über Wiesensamm’t,
Und es steht an dieser Stelle
Noch kein Obersteueramt.

Ja, sogar zur Morgenröthe
Blickst du kostenlos empor,
Und der Laubfrosch und die Kröte
Quacken dir Was gratis vor.

Regnets noch so ungeheuer,
Wirst du unentgeltlich naß,
Ja, sogar noch ohne Steuer
Ist das deutsche Regenfaß. –

Wen soll da das Herz nicht treiben
Wem bleibt da die Lippe stumm?
Lasset uns dem Kanzler reiben
Einen Salamander drum.

Frankfurter Latern, 21. Jahrgang, No. 19, 09.05.1885

Ich trag', zum Angedenken,
Des tobten Liebchens Uhr,
Ich trage sie auf dem Herzen
An einer gold'nen Schnur.

Da mag sie gleiche gehen,
In dem Gehäus von Erz;
Es geht in meinem Bufen,
Nicht gleichen Schlags mein Herz.

Und Nachts, vor'm Schlafengehen,
Zieh' ich sie pünktlich auf,
Und schaue, still zufrieden,
Der goldnen Zeiger Lauf.

Je mehr die weiter rücken
Bin ich ihr näher doch!
Ich blicke auf zu den Sternen
Und frage: wie lange noch?

Wohl wird ein Morgen kommen,
Wo deine Uhr noch geht,
Indeß ein Herz im Busen
Auf immer stille steht.