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Volkstheater Hessen

O wie wonnig wehn die Lüfte
Und wie würzig haucht der Mai!
Und dies alles, Luft und Düfte,
Hat der Deutsche steuerfrei!

O wie golden strahlt die Sonne!
Herz und Auge wird erfreut,.
Und für diese Himmelswonne
Zahlt das Volk nicht Einen Deut!

Silbern überglänzt die Länder
Mondespracht und feenhaft,
Und die Steuer der Kalender
Ist wie lang schon abgeschafft!

Reizend singt die Philomele,
Süß zur Menschenseele spricht’s,
Weckt die Sehnsucht deiner Seele,
Und das alles kostet nichts!

Lieblich rauscht die Felsenquelle,
Rieselt über Wiesensamm’t,
Und es steht an dieser Stelle
Noch kein Obersteueramt.

Ja, sogar zur Morgenröthe
Blickst du kostenlos empor,
Und der Laubfrosch und die Kröte
Quacken dir Was gratis vor.

Regnets noch so ungeheuer,
Wirst du unentgeltlich naß,
Ja, sogar noch ohne Steuer
Ist das deutsche Regenfaß. –

Wen soll da das Herz nicht treiben
Wem bleibt da die Lippe stumm?
Lasset uns dem Kanzler reiben
Einen Salamander drum.

Frankfurter Latern, 21. Jahrgang, No. 19, 09.05.1885