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Volkstheater Hessen

Guck! guck! Flink! flink! Es blüht! es blüht!
Ruft Guckuck, Fink und Nachtigall.
O nun hinaus zu Feld und Ried,
Zu Berg und Thal ihr Menschen all!

O seht die Veilchen auf dem Feld,
Wie blau, wie blau sie blühten auf!
Es fiel vom blauen Himmelszelt
Ein Tröpfchen wohl auf jedes drauf.

Und seht die Himmelsschlüsselein,
Der grünen Wiesen Frühlingspracht,
Die hat der goldne Sonnenschein
Allein so goldengelb gemacht.

Und seht die Blüth’ am Kirschenbaum,
Als wie aus Silberlicht gewebt!
Berührt hat die des Kleides Saum
Vom Mond, der drüber hingeschwebt.

Und seht die zarte Apfelblüth’,
Da könnt’ ihr nicht vorübergeh’n!
Die hat der Tag so angeglüht,
Als er vom Berg in’s Thal geseh’n.

Und seht, wie’s rings von Blumen brennt,
Wie Stern an Stern den Garten schmückt;
Das haben die dem Firmament
Des Nachts wohl heimlich abgeblickt.

Und seht die tausend Glöckchen blüh’n,
Und wie man sagt und wie man spricht,
Hat die das Christkind hergelieh’n,
Sie dürfen aber klingen nicht.

Und sagt mir wo ein Vöglein wär’,
Ein Vöglein, das kein Liedchen hätt’?
Und bringt mir doch ein Zweiglein her,
Ein Zweiglein, das kein Blüthchen hätt’!

Es ist kein Hälmchen ja so klein,
Es hat sein Schnürchen Perlenthau;
Es schimmert grün ja selbst der Stein,
Der Frühling nimmt’s nicht so genau.

Drum komm’ o Herz und eil’ und eil’!
O Duft! o Klang! o Frühlingshauch!
Sollst haben auch dein ehrlich Theil,
Sollst haben deine Freude auch!

Sämmtliche Gedichte von Friedrich Stoltze, Erster Theil: Gedichte in hochdeutscher Mundart, 1862, Seite 44